Die letzten Tage verbrachten Martina und ich in Fontainebleau. Abgesehen davon, dass Bleau ein absolut geniales Bouldergebiet ist, hätte es diese Tage auch sonst keine bessere Destination für die Osterferien gegeben. Denn während das Wetter in Europa vielerorts unbeständig und regnerisch war, profitierten wir in Bleau von fast idealen Boulderbedingungen. Meistens war es windig, bewölkt und um die 10°C kalt, also genau richtig für die vielen Reibungsgriffe.
Eclipse (7c)
Es ist schon fast eine Frechheit, dass ich als angefressener Kletterer seit über zehn Jahren nicht mehr in Fontainbleau war. Die Vielzahl und die Qualität der Boulderprobleme sind schlichtweg unfassbar, ganz zu schweigen von der schönen Landschaft und dem sandigen Absprunggelände. Obwohl über Ostern saumässig viele (tausende) Kletterer ihren Weg nach Bleau gefunden haben, fand man problemlos ruhige und schwach besuchte Sektoren.
Martina im Sektor Cul du Chien
Wer Bleau über Ostern besucht, dem wird definitiv bewusst, dass Bouldern im Mainstream angekommen ist. Von der Familie mit Kleinkindern über die Senioren bis zum durchgestylten Stadtmenschen bouldert heutzutage jedermann. Teilweise konnten wir uns kaum satt sehen ab all den verschiedenen und teilweise amüsanten Gruppen, die sich in den Wäldern von Fontainebleau rumtummelten.
Arschbacken pressen in La Balance (7c+)
Wir nutzen unsere vier Tage um möglichst viele Gebiete zu besuchen und viele verschiedene Boulder zu klettern. Eine Bildergalerie findet ihrhier.
Am Samstag zog es uns erneut an die Blöcke von Vernayaz. Dank einer frischen Bise hatten wir ganztags gute Bedingungen, welche wir auch zu nutzen wussten.
Nach dem Aufwärmen probierten Dänu und Lucio Satan(8a+), konnten den Boulder jedoch noch nicht durchsteigen. Kevin und ich machten uns hinter Creatures of Comfort(8b…), einen genialen Sloperbloulder, dessen abschüssige Griffe viel Gefühl und gute Reibung verlangen. Innert kurzer Zeit hatten wir die Einzelzüge beisammen und konnten somit Durchstiegsversuche starten. Erstaunlicherweise war mein zweiter Versuch bereits erfolgreich und nur wenige Minuten später kletterte auch Kevin den Boulder. Danach probierten wir den steilen und sehr schönen Boulder Touched by the devil (8b). Für das Ausbouldern einer passenden Lösung der Crux benötigte ich viel Zeit und Kraft, so dass danach nicht genügend übrig war für Durchstiegsversuche. Kevin hingegen hatte schnell eine Lösung beisammen und konnte den Boulder kurz darauf punkten. Immer noch nicht müde zog er kurzerhand auch noch Satan zum ausklettern. Die Begehungen des Tages sind auf den unten aufgeführten Videos zu sehen.
Bouldergrade sind oftmals sehr subjektiv und sicher keine exakte Wissenschaft, aber ich erlaube mir hier trotzdem ein paar Kommentare zu den Bewertungen der von mir gekletterten Boulder in Vernayaz. Obwohl ich mich eher als Routenkletterer bezeichne und nur selten am Fels bouldern gehe, habe ich in den letzten Jahren einige Boulder bis 8a+ geklettert und daher gewisse Referenzwerte für Bouldergrade. Während die Boulder Petite Arvine und Dancer in the Dark (beide 8a) für ihren Grad noch knapp durchgehen, ist dies meiner Meinung nach bei Satan(8a+) und Creatures of Comfort (8b) definitiv nicht mehr der Fall. Wäre Creatures of Comfort tatsächlich 8b, würde dies heissen, dass ich meinen ersten Boulder diesen Grades innert einer Stunde klettern konnte und dies gleich zweimal nacheinander (das zweite Mal fürs Video). Dass ich Satan und Creatures of Comfort so schnell klettern konnte, hat nichts mit guter Form oder so zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass diese Boulder um mindestens einen halben Grad überbewertet sind. Erstaunlich ist dies insofern, dass Vernayaz kein unbekanntes Gebiet ist und von vielen renommierten Kletterern u.a. David Graham und Tyler Landmann besucht wurde.
Da ich gestern nur zwei Stunden Uni auf dem Stundenplan hatte und das Wetter südlich des Gotthards ideale Boulderbedingungen versprach, war die Entscheidung schnell gefällt. Vorlesung schwänzen und ab nach Chironico. Leider war so kurzfristig niemand zu finden, der ebenfalls Zeit hatte und somit machte ich mich alleine auf den Weg. Den Tag startete ich im Hauptsektor Le pilier und Les doigts verts, zwei Boulder die beide irgendwo im 7c+/8a Bereich liegen. Vor zwei Wochen habe ich diese zwei scharfen und kleingriffigen Boulder bereits ein bisschen probiert. Durchstiegschancen hatte ich bei Temperaturen von fast 20° Celsius jedoch noch keine. Ganz anders war es gestern. Bei kühlen 5° Celsius war die Reibung hervorragend, so dass ich nach minimalem Aufwärmprogramm Le pillier Les doigts verts beide im zweiten Versuch des Tage durchziehen konnte.
Danach ging ich weiter zum steilen Dachboulder Rosewell (8a/8a+). Den brachialen drei Zügen dieses Problems war meine Maximalkraft leider noch nicht gewachsen. Nach einer Viertelstunde erfolglosem Gemurkse zog ich bereits weiter zu Teamwork (8a) einem fleischfressenden Leistenboulder. Dieser ist sehr ästhetisch und hat auch schöne Züge, da er jedoch so saumässig schmerzhaft für die Haut ist, ist es keiner dieser Boulder, an denen man gerne lange rumprobiert. Dessen bewusst, ging ich sehr sparsam um mit Versuchen und konsultierte anstelle ein paar Youtube Videos des Boulders. Die Lösung war so bald beisammen, jedoch scheiterte ich immer am zweiten Zug des Boulder, bei welchem viele Begeher einen Heelhook gesetzt haben, was bei mir irgendwie nich funktionieren wollte. Als ich aufgrund schmerzender Haut gerade aufgeben wollte, fand ich glücklicherweise einen hilfreichen Toehook, der meine Motivation nochmals aufsteigen liess. Schliesslich gelang mir im nächsten Versuch der Durchstieg, womit ich diesen erfolgreichen Tag beenden konnte.
Für Beta-Interessierte sind hier von Le pilier und Les doigts verts noch zwei (qualitativ schlechte) Videoclips. Leider hat der Akku der Kamera für eine Aufnahme von Teamwork nicht mehr mitgespielt. Gut zu Erkennen auf dem zweiten Clip ist mein mangelhaftes technisches Verständnis bei der Bedienung von Digitalkameras. Nach dem ersten Boulder habe ich irgendeinen Knopf erwischt, der so einen komischen schwarz-weiss Specialeffect auslöste. Bis heute konnte ich diesen nicht wieder ausschalten... Naja, sieht zumindest special aus!
Letzten Samstag verbrachten Dänu, Martina und ich bei schönstem Frühlingswetter bouldernd in Vernayaz. Das Gebiet wartet mit einer Vielzahl schöner und athletischer Boulder in allen Schwierigkeitsgraden. Hier ein paar Bilder.
Nach einem Jahr Vollzeitanstellung konnte ich nun mein Arbeitspensum auf 80% reduzieren. Somit habe ich nun wieder mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens (Klettern und Ferien).
Am Mittwoch nutzte ich dies zum ersten Mal und begleitete Chrigä und Lucio nach Brione, wo Lucio sein offenes Projekt 'Fake Pamplemousse' versuchen wollte.
Nach einem Jahr Vollzeitanstellung konnte ich nun mein Arbeitspensum auf 80% reduzieren. Somit habe ich nun wieder mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens (Klettern und Ferien). Am Mittwoch nutzte ich meinen freien Tag zum ersten Mal und begleitete Chrigä und Lucio nach Brione. Nach dem Aufwärmen widmeten wir uns dem athletischen Boulder 'Fake Pamplemousse'.
Lucio machte vielversprechende Versuche in 'Fake Pamplemousse', fiel jedoch zwei Mal an der Kante.